ehem. Zisterzienserabtei Ebrach                Bildergalerie

Spätes 17. und 18. Jahrhundert:  Der Krieg hinterließ das Kloster heruntergekommen, verschuldet und mit nur noch acht Konventualen besetzt. Doch erlebte es unter den tatkräftigen Äbten Petrus Scherenberger (1646 – 1658) und Albert Degen (1658 – 1686) einen von den Zeitgenossen als wunderbar empfundenen Wiederaufstieg: Der Konvent füllte sich – auch durch Zuwanderung aus anderen Klöstern – wieder auf; die Kirche erhielt eine neue Ausstattung; die Klostergebäude und Amtshöfe wurden wiederhergestellt, letztere unter Abt Degen zum Teil durch Neubauten ersetzt (Bamberg, Nürnberg, Elgersheim). Dieser Abt, der auch den Weinbau durch Verbreitung der Silvanertraube förderte, brachte durch hervorragende Wirtschaftsführung nicht nur die vollständige Entschuldung, sondern auch die letzten großen Gütererwerbungen zuwege; er legte den finanziellen Grundstock für die folgenden Großbauten des Klosters.

  

Nun folgte noch ein Jahrhundert wirtschaftlicher und kultureller Blüte, die Ebrach als geistliche Residenz des Steigerwaldes aufleuchten ließ. Sie wurde nicht nachhaltig beeinträchtigt durch weitere Querelen mit dem Würzburger Fürstbischof, der auch jetzt gelegentlich seinen Forderungen durch Beschlagnahmung von Wein- und Getreidevorräten Nachdruck verlieh. Schwerwiegender war der Siebenjährige Krieg mit zwei preußischen Einfällen 1758/59 und 1762, Flucht des Abtes und Geiselnahme von Konventualen zur Erpressung von Kontributionen; die Gesamtkosten wurden auf nahezu 400 000 Gulden berechnet. Trotzdem konnte das Kloster seine kulturgeschichtliche Hauptleistung dieses Jahrhunderts, die Neubauten, im wesentlichen zu Ende bringen. Daran hatte eine Reihe von Äbten Anteil: Hieronymus Held (1741 – 1773), der das Ebracher Musikleben auf seinen Höhepunkt führte, vollendete mit dem Abtsgarten und den Ökonomiegebäuden im wesentlichen den äußeren Rahmen der Anlage; schließlich setzte Wilhelm Roßhirt (1773 – 1791) mit der frühklassizistischen Neuausstattung der Kirche den pompösen Schlussstein. Die herausragende Gestalt dieser Zeit war jedoch Wilhelm Sölner (1714 – 1741), Ebrachs Prototyp eines barocken Prälaten. Wie sein mögliches Vorbild Lothar Franz von Schönborn (der 1720 den Ebracher Neubau besichtigte) war er „vom Bauwurm befallen“, ähnelte ihm auch in seinem Herrschaftsbewußtsein, der programmatischen Architekturauffassung und dem hoch entwickelten Kunstsinn. Er transformierte mit dem Neuen Abteibau die Klostergebäude in ein Residenzschloß, gab ihm das Ambiente adäquater Garten- und Wirtschaftsanlagen, errichtete entsprechende Amtsschlösser in Burgwindheim, Sulzheim, Oberschwappach, und Nürnberg und plante als dazugehöriges kirchliches Großprojekt noch das „ebrachische Vierzehnheiligen“ in Burgwindheim. Während seiner gesamten Regierungszeit wurde rastlos gebaut: Jedes mal wenn ein Gebäude im Rohbau stand, wurde das nächste begonnen; insgesamt wurden während seiner Regierungszeit weit mehr als 300 000 Gulden allein für Neubauten aufgewendet.

 

 

       

Der Festsaal / Kaisersaal nach Süden, ein Meisterwerk barocker Raumkunst.

Die Ausstattung entstand 1718-23.

Länge:Breite:Höhe: = 2 : 1 : 0,8

(Quelle: Gr. Kunstführer Schnell & Steiner Abtei Ebrach)

 

Die große Stiege im Treppenhaus des Nordflügels

(Quelle: Gr. Kunstführer Schnell & Steiner Abtei Ebrach)

 

Gartenhaus im Abteigarten.

Ein wunderschöner Entwurf, wie ich persönlich finde.

(Quelle: Gr. Kunstführer Schnell & Steiner Abtei Ebrach)

 

Revolutionszeit und Säkularisation:  Die Revolutionszeit ließ die klösterlichen Strukturen zunächst intakt, auch wenn der letzte Abt Eugen Montag, ein gläubiger und hoch gebildeter Prälat und Kunstliebhaber (1791-1803), bei Konventualen und aufmüpfigen Untertanen Erscheinungen des Zeitgeistes feststellen mussten; seine Irritation dokumentiert ein Rechnungsposten von 100 Gulden in der Extraklasse für Ausfindigmachung der berühmten antikirchlichen Schmähschrift „Blick in das Innere der Abteien“. Die Almosenkasse verzeichnete jetzt Zuwendungen an Flüchtlinge vor der Französischen Revolution; der Abt des aufgehobenen Mutterklosters Morimond wurde zeitweise im Burgwindheimer Amtshof beherbergt. Dann warfen die Koalitionskriege die Schatten des Endes voraus. Belegung des Amtshofes Oberschwappach als Lazarett 1795/96, Besetzung Ebrachs 1796 und 1800 durch französische Truppen, wobei der Abt jedes Mal flüchtete – 1796 mit einem Tross von 26 Pferden nach dem preußischem Kulmbach und weiter nach Nürnberg. Abt Montag hielt, wie Notizen belegen, spätestens seit 1797 die Auflösung der Abtei für möglich. Noch vor dem Reichsdeputationshauptschluß am 25. Februar 1803, der die Einzelheiten der Entschädigung regelte und dem Kurfürstentum Bayern die Bistümer Würzburg und Bamberg sowie die Abtei Ebrach zuwies, erfolgte deren militärische und administrative Besitzergreifung. Am 11. Dezember 1802 erschien die Kurfürstliche Klosteraufhebungskommission in Ebrach und nahm Abt Montag den Treueid auf Bayern ab. In den ersten Februartagen traf dann in Ebrach eine Spezialkommission ein, die in den folgenden Wochen den Personal-, Vermögens- und Einkommensstand des Klosters genau aufnahm. Am 2. Mai 1803 verkündete der Kommissar schließlich formal die Auflösung des Klosters, das zu dieser Zeit noch 51 Mönche und 10 Laienbrüder umfasste. Die Klosterinsassen wurden mit einer je nach Status und Dienstzeit gestaffelten Pension zwischen 300 und 600 Gulden jährlich abgefunden, soweit sie nicht Ämter in der Seelsorge übernahmen. Eugen Montag, der 8000 Gulden Pension erhielt, übersiedelte in den ihm als Ruhesitz zugewiesenen Amtshof Oberschwappach; er nahm dahin auch seine vom Kommissar als Privatbesitz anerkannte Sammlung von über 100 Gemälden mit, aus der der Münchner Galeriedirektor Mannlich vergeblich die besten Stücke für die staatlichen Sammlungen zu beschlagnahmen versuchte. Montag starb 1811; er wurde auf seinen Wunsch in der Klosterkirche begraben, für deren Erhaltung als Pfarrkirche er sich noch eingesetzt hatte. …Kloster Ebrach, das Jahrhunderte lang das politisch-soziale, kulturelle und religiöse Leben des Steigerwaldes und der angrenzenden fränkischen Gebiete geprägt hatte, hörte auf zu bestehen.

Es blieb das Problem der Überführung des ehemaligen Klosters in eine lebensfähige Gemeinschaft; dafür entwickelte bereits der Säkularisationskommissar Leitlinien. Man versteigerte ein Teil der Gebäude sowie der landwirtschaftlichen Nutzflächen an Privatleute; das mittelalterliche Torhaus und die frühgotische Sepulturkapelle wurde zur Gewinnung von Baumaterial abgerissen. Die Abteikirche wurde 1803 zur Pfarrkirche. Der Klosterwald blieb Staatsbesitz in Obhut eines neuerrichteten staatlichen Forstamtes. Die Klostergebäude standen zunächst weitgehend leer, bis dort 1851 ein Gefängnis eingerichtet wurde, das noch heute als Justizvollzugsanstalt für Jugendliche existiert. Der Ort, der 1840 etwa 400 Einwohner zählte, entwickelte sich zur Marktgemeinde mit heute etwa 1100 Einwohnern.

 

Interessante Gehaltslisten

 

Für diesen umfänglichen Betrieb beschäftigte das Kloster in der Neuzeit in Nachfolge der nicht mehr genügend verfügbaren Laienbrüder zahlreiche weltliche Bedienstete beiderlei Geschlechts; ihre Gesamtzahl mit Familienangehörigen betrug bei der Säkularisation etwa 250. Für sie stellte das Kloster auch Unterkünfte bereit, die größtenteils in der Vorstadt und im Ökonomiehof, aber auch im Abteibau lagen. Die Gehaltslisten dieser Angestellten spiegeln die damalige soziale Rangordnung, und zwar auch innerhalb des Klosters, wider: So betrug 1791 der Jahreslohn (ohne Einrechnung von Kost, Logis und etwaiger Naturaliendeputate) des Syndikus 504, des Arztes 240, des Abteikochs 120, des Registrators 60, des Abteigärtners 60, des Schlossermeisters 52, des Konventskochs 50, des Gesindekochs 30, eines Schlossergesellen 25, des Konventsgärtners 24, des Lakais des Abtes 20, des Schulrektors 20, des Jägers 17, des Kanzleidieners wie des Torwächters 13, eines Küchenjungen 10 Gulden.

 

Auszüge zur Baugeschichte der Klostergebäude

  

 

Erste Pauperiode

 

Die ehemaligen Klostergebäude, jetzt Justizvollzugsanstalt, wurden in zwei hauptsächliche Bauperioden errichtet. Architekt der ersten Periode war der bis dahin noch weitgehend unbekannte Johann Leonhard Dientzenhofer (1660 – 1707), später Hofbaumeister in Bamberg, der von Abt Ludovicus Ludwig (1686 – 1696) gleich nach seinem Amtsantritt berufen wurde. Er legte die Pläne vor; Grundsteinlegung war am 7. Juli 1688. Das Konzept Dientzenhofers, der bis mindestens 1704/05 auch die Bauleitung innehatte, ist nur noch in seiner Anfangsversion dokumentiert; es sah eine große Rechteckanlage mit fünf geschlossenen Höfen und einem Bibliotheksflügel an der Außenecke des sechsten offenen Hofes im Südosten vor. …Der Bau sollte durchgehend zweistöckig werden mit nur schwach vortretenden Risaliten an den Kopfenden der Trakte. …Die Bauplastik fertigte bis 1692 Franz Nagel; 1693/94 sind Michael Maucher und Johann Georg Götz nachweisbar. Um 1700/02 folgte schließlich noch der Kanzleitrakt. …Doch dann kam die Bautätigkeit weitgehend zum Stillstand. Dientzenhofer hatte auch in mehreren Etappen ab 1688 die Verlegung und teilweise unterirdische Kanalisation der Ebrach im Bereich des Bauplatzes durchgeführt.

 

 

Zweite Bauperiode

 

Die entscheidende Veränderung zur heutigen schlossartigen Gestalt erfolgte in der zweiten Bauperiode unter Abt Wilhelm Sölner (1714 – 1741). Er nahm die Bautätigkeit im Frühjahr 1715 wieder auf unter Heranziehung des damals prominentesten Würzburger Baumeisters Joseph Greising (1664 – 1721). …Die wichtigsten Neuerungen bestanden in der Einführung eines Treppenhauses in den Mittelteil der Nordfassade, der Öffnung der beiden westlichen Abteihöfe zu einem Ehrenhof sowie die Einführung eines längsrechteckigen Saales in den Neugeschaffenen Fassadentrakt dieses Hofes. Bestallter Baudirektor war ab 1.Januar 1716 bis zu seinem Tod Ende 1721 Greising. …Die Bautätigkeiten konzentrierten sich zunächst auf den Mittelteil der Nordfassade mit dem Treppenhaus und den anschließenden Saalbau, die Ende 1717 im Rohbau fertig gestellt und im Juni 1718 unter Dach waren. …Das Treppenhaus wurde 1719 eingewölbt; im gleichen Jahr erfolgten die letzten Arbeiten an der Attika der Ehrenhoffassade. Inzwischen arbeitete man bereits an der Ausstattung des Saals, die 1723 abgeschlossen war; als letztes folgte 1724/25 das Grottenwerk unter dem Saal. Der Nordflügel des Ehrenhofes wurde 1717 begonnen, war 1719 im Rohbau fertig und Mitte 1720 unter Dach. Dann ruhten jedoch die Bauarbeiten an der Abtei für ein Jahrzehnt…

 

 

Die Gesamtanlage ist einer der großartigsten barocken Klosterbauten Frankens.

 

(Quelle: Großer Kunstführer Schnell & Steiner Geschichte und Kunst von Wolfgang Wiemer)

                                                                                                                                                                                               

Weitere Informationen siehe:

- Verwaltungsgemeinschaft Ebrach

- Wikipedia - Kloster Ebrach

                                                                                                                                                                                 

 

Bildergalerie


Schloss Molsdorf / Schloss Werneck / Residenz Würzburg

 

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