ehem. fürstbischöfliche                                           Bildergalerie   Residenz zu Würzburg

Der hohe Rang, den die fürstbischöfliche Residenz Würzburg im deutschen Schloßbau des 18. Jahrhunderts einnimmt, liegt nicht allein in der Großartigkeit ihrer architektonischen Erscheinung und der überragenden Qualität der Ausstattung begründet, sondern in der Universalität, mit der sie die großen Architekturströmungen der Zeit ebenso wie die Meisterleistungen bildender Künstler verschiedenster Nationalität in sich vereinigt zu einem Gesamtkunstwerk von europäischem Rang. Balthasar Neumann, dem als Würzburger Hofarchitekten die Gesamtredaktion des gigantischen Unternehmens oblag, hatte sich mit führenden deutschen und französischen Architekten auseinanderzusetzen; zunächst mit Plänen des kurfürstlich mainzischen Hofarchitekten Maximilian von Welsch, die durch Vorschläge der großen Pariser Architekten Robert de Cotte und Germain Boffrand modifiziert wurden.

Später setzte eine Umorientierung nach Wien ein, in deren Rahmen der kaiserliche Hofarchitekt Lucas von Hildebrandt eine bedeutende Rolle spielte. Der an der Dekoration und Ausstattung beteiligten internationalen Künstlerschar wurde von Balthasar Neumann viel schöpferische Freiheit zugestanden, was einerseits höchst individuelle Leistungen ermöglichte, andererseits aber vor allem im dekorativem Bereich infolge ständiger Wechselwirkungen eine spezifisch würzburgische Stilvariante, das Würzburger Rokoko, hervorgebracht. Ein bedeutender barocker Schlossbau ist nicht nur das Werk von Künstlern, sondern in gleicher Weise auch das Werk eines oder mehrerer großer Bauherren.

 

In Würzburg waren es vor allem zwei Fürstbischöfe aus dem Hause der Grafen von Schönborn, Johann Phillipp Franz (1719-1724) und Friedrich Carl (1729-1746), deren ungezügelter Bauleidenschaft und außerordentlichen Kunstsinn wir die Residenz verdanken.

(Quelle: Langewiesche Bücherei "Die Residenz in Würzburg" 2008, Seite 2)          

 

 

So lebte sich’s in der Residenz

 

Alltag am Hof des Fürstbischofs

 

Von Küchendünsten, seltsamen Tischsitten und der Angst vor dem Waschen.

Eine etwas andere Geschichte über das Würzburger Barockschloss

 

Weltkulturerbe, eines der wichtigsten Barockbauwerke weit und breit, eine Rokoko-Ausstattung, die ihresgleichen sucht; Fresken von Giovanni Battista Tiepolo, einem der besten Maler des 18. Jahrhunderts: Das ist die Würzburger Residenz.

 

Im Alltag der Bewohner, der Fürstbischöfe und ihres Personals, spielte diese Pracht allerdings kaum eine Rolle. „Der Kaisersaal war für Repräsentationstermine da. Das berühmte Treppenhaus wurde selten genutzt. Stattdessen nutze man die zahlreichen Treppen, die Stockwerke verbanden“, erklärte Peter Süß. Der Würzburger Kunsthistoriker weiß eine andere Geschichte der Residenz zu erzählen. Eine Geschichte, durch die Küchendünste ziehen und Bratenduft; eine Geschichte, die von Tischsitten handelt und von seltsamen Hygiene-Gewohnheiten.

 

400 Bedienstete für 300 Zimmer

 

An die 400 Leute kümmerten sich in Küche und Keller, in Dienstzimmern, Privatgemächern und Stallungen um den reibungslosen Ablauf des Alltags in dem Bauwerk mit über 300 Zimmern. Nicht alle Angestellten des Fürstbischofs, der als geistiges und weltliches Oberhaupt herrschte, wohnten allerdings in dem Schloss, dessen Rohbau Architekt Balthasar Neumann zwischen 1720 und 1744 hochziehen ließ. Wer in der Residenz wohnte, lebte in den Zwischengeschossen. Die bischöflichen Gemächer lagen im oberen Hauptgeschoß, auf Kaisersaal-Ebene. Wer auf den Haupteingang der Residenz zuläuft, sieht die Fenster, durch die einst der Herrscher blickte, zu seiner Rechten im Südflügel. Von seinen  Privatgemächern hatte der Bischof Zugang auf die Balkone der Hofkirche.

  Aufgestanden wurde bei Sonnenaufgang, mit Sonnenuntergang legte man sich zu Bett. Das Leben spielte sich bei Tageslicht ab, denn die Kerzen waren teuer: „Eine Kerze kostete den Wochenlohn eines Maurermeisters“, erklärte Peter Süß. „Im Nordflügel arbeite die Verwaltung - heute würde man sagen, da lagen die Ministerien. Die Mitte mit Kaisersaal und Treppenhaus diente der Repräsentation. „Im Südflügel war der Haushalt“, erklärte Peter Süß die grobe Einteilung. Im Südflügel lagen auch die Küchen. Davon habe es “mindestens“ vier gegeben, so der promovierte Historiker. Je nach gesellschaftlicher Stellung wurde für die Residenz-Bediensteten unterschiedlich gekocht. Der Fürstbischof hatte eine eigene Küche, in der offenbar ein besonders begabter Koch am Herd stand: „Wir wissen, dass sich Tiepolo über das schlechte Essen beschwerte, als der Fürstbischof seinen Koch in die Sommerresidenz nach Veitshöchheim mitgenommen hatte“, erzählt Peter Süß.

 

Die Stände speisten getrennt. Ausschließlich als Speisesäle genutzte Räume gab es in der Residenz aber nicht. „Für Kavaliere“, nennt Peter Süß ein Beispiel, „wurde im heutigen Toscanasaal gedeckt.“ Man legte zu den Essenszeiten Bretter über Böcke und deckte sie mit einem Tuch. Bei wichtigen Banketten baute man derartige Tafeln im Kaisersaal auf. „Nach dem Essen wurde die Tafel aufgehoben“, so der Kunsthistoriker, soll heißen: die Bretter wurden samt Geschirr und Essensresten weggetragen. Was bei den Mahlzeiten übrig blieb, wurde in der Speisekammer aufbewahrt und wieder serviert. (Bild hier klicken, Link 1 / Link 2)

Wer etwas zu kriegen hatte, regelte die Hof-Tafelordnung. Süß weiß von „enormen Mengen“ zu berichten: Gesinde hatte, wie alte Unterlagen verraten, täglich Anspruch auf „ein Pfund Schweineres, ein Pfund Braten - vermutlich Rind-, sowie ein Pfund ‚Beigemüse’ nebst Brot und Wein. Abends gab’s dann noch ordentlich Käse und Butter.“ Das Essen war beendet, wenn der Ranghöchste seine Mahlzeit beendete. Wenn der ein schneller Esser war, stand wohl manch einer der Untergebenen hungrig von der Tafel auf. Es muss bei den Mahlzeiten recht laut zugegangen sein. Bischof Adam Friedrich von Seinsheim – er regierte von 1755 bis 1779 – verfügte, das bei „großer Tafel“ vorwiegend „Waldhörner, Trompeten und Oboen“ zu spielen seien, weil die „einen größeren Lärm verursachen als solche, welche essen.“ ( Zum Thema Speisen KLICK hier )

 

Peter Süß zeigt vor dem Durchgang zum hinteren Hof des Südflügels am Boden auf mehrere Reihen dunkler Pflastersteine, die sich von der Umgebung abheben. „ Hier war ein Einwurfschacht für Eis.“ Das wurde auf den Main geschlagen und hielt den Keller kühl. Der „Kühlschrank der Residenz“ (Süß) muss sehr effektiv gewesen sein. Der oval geformte Keller, den ein dickes Gewölbe überspannte, „lieferte Friedrich Karl von Schönborn, der gekühlte Getränke liebte, sogar noch im Juli Eis“, erzählt Peter Süß.

 

Badezimmer gab es kein einziges

 

Der Kühlkeller hielt Schweinehälften frisch und das Wild, das bei Fürstbischofs reichlich auf den Tisch kam. Frischfleisch kam auch vom Hühnerstall, der sich, wie Süß vermutet, im hinteren Teil des Südflügels befand. Auch Fisch stand auf dem Speisezettel. Für viele Speisen gab es Spezialisten. In der Residenz fand ein „Hofbratenwender“ ebenso sein Auskommen wie ein „Fischwässerer“ und ein Patissier – „Konfekt war sehr beliebt“, sagt Peter Süß.

 

Badezimmer sucht man auf Plänen und in Beschreibungen vergebens. Kein Wunder: Die gab es nicht in der Residenz. Das hing mit einer gewissen Scheu des Barock-Menschen vor dem Waschen zusammen. Man traute dem oft unsauberen Wasser nicht so recht. Konnte das nicht durch die Haut ins Innere des Körpers dringen und die Gesundheit schädigen? Also wusch man sich eher selten. Wenn doch, wurde irgendwo eine transportable Badewanne aufgestellt. Ansonsten beschränkte man die Körperhygiene lieber auf das Abreiben mit trockenen Waschlappen.

Wenn der Verdauungstrakt sein Recht verlangte, setzte sich der Fürstbischof auf einen transportablen Leibstuhl. Es muss aber schon im 18. Jahrhundert in einem der Obergeschosse des Südflügels eine fest eingerichtete Toilette gegeben haben. Belegt ist, dass Bischof Friedrich Karl von Schönborn (1729 bis 1746) sich über die „Nachtkönige“ – das Reinigungspersonal – ärgerte, weil sie schlecht gearbeitet hatten. Der Abort stank bis in die fürstlichen Gemächer…

 

Der Residenzbesucher, der durch die Prunkgemächer geführt wird, kriegt von den Alltagsgeschichten kaum etwas mit. Die Räume, in denen einst das Leben stattfand, werden heute von der Universität genutzt und von der Schlossverwaltung: Sie beherbergen Teile des Staatsarchivs. In die ehemalige Kavaliersküche ist die Bibliothek der Musikwissenschaftler eingezogen. Der Toscanasaal im Südflügel-Obergeschoss dient als Vorlesungssaal, kann aber bei Veranstaltungen besucht werden. Auf dem Weg nach oben kann sich der Besucher auch einen kleinen Eindruck von den Zwischengeschossen – den ehemaligen Dienerwohnungen – machen.

(Quelle: Artikel von Ralph Heringlehner so geschrieben in der Würzburger „Mainpost“ vom 11. Juli 2009)

 

Die Residenz als Filmkulisse

  

 

       

In kleinen Bildausschnitten erwacht das 17. Jahrhundert zum Leben

 

13.09.2010 Erster Drehtag für die Neuverfilmung "Die drei Musketiere"

 

Festlich geschmückter Südflügel, Hofseite mit Brunnen

 

 

   

Balkon des Mittelrisalit mit Statisten und Hauptdarstellern, unter anderem Christoph Waltz als Kardinal Richelieu

 

Der Stadtmitte zugewandte Seite der Residenz im prachtvollen Schmuck

 

 

Weitere Informationen siehe:

- Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser,Gärten und Seen

- Wikipedia

 

Bildergalerie

 


Schloss Molsdorf / Schloss Werneck / Kloster Ebrach /

 

 

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